mit Kindern kochen
sinnvolles Tun
Sockentheater

Wohnen und sich engagieren

Die Bevölkerungspyramide steht Kopf. Die Gesellschaft altert, weil wir heute länger leben und rüstiger bleiben als früher. Mit steigender Lebenserwartung nimmt die Zeit zu, in der Menschen produktiv tätig sein können und tätig sein wollen.

Wir, die Initiatoren, Bewohnerinnen und Bewohner des Projektes MITEINANDER - Wohnen in Verantwortung sehen zunehmend eine unserer Aufgaben in der Neugestaltung des Generationenvertrags unter veränderten demografischen Vorzeichen als Interessenausgleich zwischen Alt und Jung. Die Menschen in diesem Land, ob Kind, Jugendliche/r, mit und ohne Einwanderungsgeschichte, ob in größeren Familienstrukturen oder nur mit einem Elternteil, müssen gute Chancen zum Lernen und Arbeiten vorfinden. Toleranz ist die Grundvoraussetzung, um unter den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft miteinander gut auszukommen. Junge Menschen brauchen eine starke Lobby und Solidarität. Dafür ist eine neue Kultur des Miteinanders nötig. Wir definieren das Alter neu und entwickeln neue Handlungsfelder. Wir haben Zeit und Sozialkapital in Zeiten von Individualisierung und vermitteln langlebige und beständige Werte wie Kultur und Solidarität, Fairness und Toleranz in einer unübersichtlichen Welt.

Die Quartiersarbeit ist beschlossene Sache. Das „Forum Nachbarschaftskultur" wird im Haus integriert. Es strahlt mit seiner sozial-integrativen Ausrichtung und mit diversen kulturellen Aktivitäten in die umgebende Nachbarschaft hinein. Das Forum ist Herzstück des Wohnprojektes, ist Lern-Ort und Entwicklungsraum. Hier können sich die Kompetenzen aller interessierten Hausbewohner entfalten.

Die Nachbarschaft wird sich zu verschiedenen Themenbereichen treffen können, vom Literaturabend bis zum Handwerkern. Mit Kindern von nebenan werden die Älteren lesen, malen, nähen, singen, ihnen zuhören. Bei jungen Müttern wecken sie die Lust und Liebe zum gesunden und preiswerten Kochen, oder sie stehen Jugendlichen beim Start ins Berufsleben als Pate oder Patin zur Seite. Sie nehmen mit Schulen in der Umgebung Kontakt auf und finden mit pädagogischen Expertinnen und Experten heraus, wo besondere Aufmerksamkeit notwendig ist und welche Aufgabenfelder die Senioren ergänzend übernehmen können. Im „Forum Nachbarschaftskultur" wird es Kaffee geben und Zeit für Gespräche, Nachbarn können Bücher ausleihen, Kunst im Treppenhaus betrachten oder sich selbt aktiv in die Quartiersarbeit einbinden. Das bedeutet auch, dass über die Wohngruppe weitere Mitbürger aus der Nachbarschaft gewonnen werden, um die Quartiersarbeit auszuweiten. 

Das „Forum Nachbarschaftskultur“ steht auf drei Säulen:

1. KULTURANGEBOTE  - Gemeinschaft leben, nachbarschaftliches Miteinander stärken, soziale Netzwerke aufbauen

2. QUALIFIZIERUNG  - Kompetenzen erweitern, Ressourcen entdecken, Selbsthilfe fördern, Qualität und Nachhaltigkeit sichern. Auch sozial-kulturell ambitionierte Nachbarn und Fördermitglieder sollen gewonnen werden, um in überschaubaren Bereichen eigene Projekte in den Gemeinschaftsräumen zu realisieren und den Kreis der Aktiven zu bereichern. Dafür werden gezielt Qualifizierungsprogramme angeboten. Eine enge Zusammenarbeit mit Pädagogen, Künstlern und Netzwerkern findet statt und wird weiter entwickelt.

3. MODELLTRANSFER  - Ideen weitergeben, Erfahrungen teilen, von anderen lernen, Kräfte bündeln, Synergien nutzen. Die Idee der Quartiersarbeit lässt sich auf andere Wohnquartiere in der Stadt ausweiten. Eine zweite Gruppe des Vereins hat sich bereits gebildet und baut in Düsseldorf ein weiteres Projekt auf.

 

Entdeckung der Nachbarschaftlichkeit

Für Professor Klaus Dörner - Psychologe im Unruhestand und Autor - ist die Entdeckung der Nachbarschaftlichkeit der Verdienst einer neuen sozialen Bewegung. „Da sind Leute, die spüren, dass sie sich in einem gewissen Umfang auch für andere Menschen engagieren müssen.(…) Das hängt damit zusammen, dass immer mehr Menschen an zu viel freier Zeit leiden. Man kann freie Zeit nur bis zu einem Optimum genießen, wenn man mehr davon hat, dann fängt man an, darunter zu leiden. Dann braucht man, um sich gewissermaßen sozial zu erden, als „Therapie“ dagegen eine bestimmte Tagesdosis an Bedeutung für andere. Und zwar im eigenen Stadtviertel, im eigenen Kiez, im eigenen Stadtteil, im eigenen Dorf. Das ist etwas, was nicht zu toppen ist, das ist einfach das Beste, was uns bisher eingefallen ist. Deswegen leuchtet es den Bürgern auch so ein. Und sie kommen in diesem Fall überwiegend von sich aus und gucken sich das an, weil sie das interessiert.“